Ist mein Fernstudium in Zeiten von KI noch sinnvoll? Ein ehrliches Geständnis.

Ist mein Fernstudium in Zeiten von KI noch sinnvoll? Ein ehrliches Geständnis.

14 Min. Lesezeit Fernstudium

Was du jetzt liest, ist ein Gedankenexperiment, das ich tagelang durchgespielt habe. Lies bitte bis zum Ende. Sonst nimmst du nur die halbe Wahrheit mit.

Als ich vor sechs Jahren mein Mediendesign-Studium an der IU begonnen habe, fühlte sich Adobe Creative Cloud beherrschen an wie eine Superkraft. UI-Regeln auswendig kennen, mit WordPress eine Seite hochziehen, in InDesign sauber setzen. Eigenes Handwerk, jahrelang erarbeitet.

Heute ist Mai 2026.

Ich tippe drei Prompts in Midjourney, ein Klick bei v0.dev, und eine Website steht. Mit Bildern, Texten, halbwegs sauberem UI. Wer braucht da noch eine Agentur. Wer braucht da noch sechs Semester Mediendesign.

Letzte Woche habe ich meine Skripte in NotebookLM gepackt. Ein paar Minuten später lag eine saubere Klausurzusammenfassung vor mir. Inklusive Querverweise. Inklusive einer Liste, was im Skript schwammig ist. Auf GitHub finde ich Automatisierungs-Skripte gratis, für die ich vor zwei Jahren noch jemanden bezahlt hätte.

Ich bin mit diesem Gefühl nicht allein: Bei AKAD nutzten 2024 bereits 91,6 Prozent der Studierenden KI-Tools aktiv, laut einer hochschuleigenen Längsschnittstudie.[1] An der Euro-FH stieg die Nutzungsrate im selben Zeitraum von 24 auf 75 Prozent.[2] Wer täglich in diesen Tools arbeitet und dann sein Skript aufschlägt, fragt sich irgendwann sehr konkret: Was rechtfertigt noch sechs Semester?

Und dann sitzt man abends da und denkt sich: Was ist mein Mediendesign-Studium an der IU eigentlich noch wert, wenn das hier auf dem Tisch liegt?

Ich sage dir, was im Kopf hochkommt, wenn man drei Tage in diesen Tunnel reinläuft. Nicht das, was ich öffentlich sagen darf. Sondern das, was wirklich da war.

Wenn du mich nüchtern gefragt hättest, ob du heute ein Mediendesign-Studium neu beginnen solltest: Lass es. Spar dir das Geld. Setz dich drei Monate hin mit KI, GitHub und einer klaren Aufgabenstellung. Du bist fitter als jeder Absolvent, der gerade frisch aus dem Hörsaal kommt.

So weit der Tunnel.

Stop. Drei Tage später. Ich hatte einen Denkfehler.

Drei Tage Tunnel, ein Spaziergang, ein Anruf, dann der Cut.

Ein langer Spaziergang. Ein Anruf mit einer Studienkollegin. Ein Nachmittag mit zu vielen Notizen. Und dann hat es klick gemacht.

Ich hatte mir den ganzen KI-Tunnel selbst gebaut und mich freiwillig darin verlaufen.

Was mich rausgeholt hat, kommt jetzt. Vom Konkretesten zum Strategischsten.

1. "I don't know what I don't know"

KI macht nicht klüger. Sie macht schneller.

Vor zwei Wochen hat mir eine Kundin eine KI-generierte Landingpage gezeigt. Wunderschön. Saubere Hierarchie, hübsche Farben, ordentlicher Headline-Block.

Dann der zweite Blick. Cookie-Banner falsch gebaut. Bildrechte nicht geklärt. WCAG-Verstöße en masse. Seit dem EU Accessibility Act (28.06.2025) ist sowas nicht mehr Geschmackssache. Das ist abmahnfähig.

Der Laie sieht das nicht. Er baut mit KI nur zehnmal schneller Mist. Den Unterschied zwischen "sieht gut aus" und "darf so an den Kunden raus" liest er nicht aus dem Prompt.

2. Die Halbwertszeit der KI-Tools

Midjourney v1 war 2022. Heute sind wir bei v8.

Was bleibt? Nicht das Tool-Wissen. Das ist nächstes Jahr schon wieder anders.

Was bleibt, ist das Denken. Zielgruppen verstehen. Geschichten aufbauen. Argumente führen. Komplexität ordnen. Das lernst du nicht in drei Monaten YouTube. Das lernst du in sechs Semestern Hinfallen und Aufstehen, mit Fristen, die dich zwingen weiterzumachen, wenn du eigentlich keinen Bock mehr hast.

3. Die Illusion der "New Economy"

Auf LinkedIn liest sich das Leben so: alle bauen No-Code, alle sind selbstständig, alle leben von KI-Workflows.

Die Realität für die meisten Menschen sieht anders aus. Mittelstand, Konzerne, öffentlicher Dienst, Tarifverträge, ATS-Algorithmen, die Bewerbungen ohne Abschluss aussortieren, bevor eine HR-Person sie überhaupt sieht.

Für regulierte Berufe (Lehramt, Psychologie, Sozialpädagogik, Architektur, Medizin) ist der Abschluss gesetzlich zwingend. Da hilft dir kein noch so guter Prompt.

4. Skin in the Game

Warum macht das nicht einfach jeder? Und wenn wir ehrlich sind: Warum nicht über eines der staatlich zertifizierten Bootcamps oder Microcredentials, die heute ihren Lehrplan quartalsweise aktualisieren? Das ist die fairere Vergleichsbasis als YouTube. In manchen Bereichen ist das tatsächlich der schnellere Weg. Das will ich nicht wegdiskutieren.

Weil 95 von 100 nach drei Wochen abbrechen. Das Studium verkauft nicht primär die PDFs. Es verkauft externen Druck. Es verkauft Struktur. Es verkauft Skin in the Game.

Ich war zweimal kurz davor, mir das Programmieren über YouTube selbst beizubringen. Beide Male nach drei Wochen abgebrochen. Mein Mediendesign-Studium hat mich nur deshalb über die Ziellinie getragen, weil ich Geld und Lebenszeit darauf gesetzt hatte. Die Investition war der Hebel, nicht die Skripte.

Und wenn du mit 35 oder 40 nochmal angefangen hast: Du machst nicht "nur Karriere". Du machst etwas Größeres. Du sagst dem Alltag, dass du einen zweiten Versuch wert bist. Genau deshalb sind die nächsten beiden Punkte für dich besonders wichtig.

5. Eigenes Denken bleibt deine einzige Reserve

Der Wert eines Studiums ist nicht der Wissensspeicher. Den hat die KI.

Der Wert ist, dass du gerungen hast. Du hast eine Klausur durchgedacht. Nicht die KI für dich. Das ist Muskel-Aufbau im Kopf.

Wenn du den Muskel nie aufgebaut hast, kannst du den Output einer KI nicht qualitätssichern. Du druckst dann generischen Mist mit Selbstvertrauen.

6. KI ist nur so gut wie der Kontext, den du ihr gibst

Hier wird es konkret. Ich arbeite seit Monaten mit KI. Habe sie über Wochen mit allem gefüttert, was ich gebraucht habe. Wie ich schreibe. Wie ich denke. Was ich nicht mag. Woran ich gerade arbeite. Welche Begriffe für mich tabu sind. Welche Ausnahmen gelten.

Die Ergebnisse waren stark. So stark, dass ich angefangen habe, ihnen zu vertrauen.

Dann ist mir etwas an meinem Setup kaputt gegangen, ohne dass ich es gemerkt habe. Der Kontext, den ich über Wochen aufgebaut hatte, war plötzlich weg. Die KI wusste nicht mehr, wer ich bin. Bei der nächsten Aufgabe hat sie aus den gleichen Anweisungen etwas Generisches produziert. Beliebig. Hätte von jedem kommen können. Mit allen Tics, die ich ihr über Wochen abgewöhnt hatte, wieder drin.

Nicht weil das Tool plötzlich dumm geworden ist. Sondern weil der Kontext fehlte.

Das ist der Punkt, der in der KI-Diskussion fast nie auftaucht: KI-Output ist immer nur so gut wie der Mensch, der sie führt. Wer drei Monate auf YouTube Prompt-Tricks lernt, kommt zu brauchbaren Prompts. Wer ein Werkzeug aber über Monate mit dem eigenen Kopf füttert, mit Korrekturen, mit Beispielen, mit Verboten, mit den Stellen, an denen es schiefging, der bekommt am Ende etwas anderes als das, was alle mit demselben Tool erzeugen.

Genau dieser Kontext-Aufbau ist das, was du im Studium übst. Nicht das Lernen von Fakten. Das ist beliebig. Sondern: einen komplexen Themen-Kontext über Monate aufbauen. Querverbinden. Lücken erkennen. Ausnahmen merken. Fehler dokumentieren. Korrigieren. Weiterdenken.

Wenn du das nie geübt hast, kannst du die KI nicht sinnvoll führen. Du sitzt vor einem Werkzeug und weißt nicht, was du davor stellen sollst.

7. KI ersetzt dich nicht, sie braucht dich

Aber der Vorfall hatte noch eine zweite Lektion.

Nachdem der Kontext weg war, musste das Problem repariert werden. Genau an der Stelle wurde sichtbar, warum die Aussage "KI macht uns überflüssig" so wackelig ist.

Mein Wissen reichte nicht. Ich kann mit Code arbeiten. Ich kann ein Setup lesen. Ich weiß ungefähr, wo die Schrauben sitzen. Aber dieser Fehler war eine Ebene tiefer, als ich allein hätte gehen können. Ich hätte das nicht in einer Stunde gefixt. Wahrscheinlich nicht in einer Woche. Vielleicht hätte ich irgendwann den falschen Schalter umgelegt und mir Daten gelöscht, vor denen ich Angst habe.

Die KI allein reichte aber genauso wenig. Sie hatte nicht alles auf dem Schirm. Sie wusste nicht, was sie nicht wusste. Sie konnte den Fehler nicht selbst sehen, weil sie selbst Teil des Systems war, das kaputt gegangen ist. Sie hat mehrmals Antworten gegeben, die plausibel klangen und in die falsche Richtung liefen.

Was es gebraucht hat, war beides zusammen. Ich habe Symptome beschrieben, die ich an der Oberfläche sehen konnte. Sie hat in der Tiefe gegraben, an Stellen, die ich nie selbst hätte erreichen können. Ich habe ihre Antworten geprüft, korrigiert, neu eingeordnet. Sie hat aus meinen Korrekturen das Bild zusammengesetzt. Beim dritten oder vierten Anlauf war klar, wo das Problem saß. Dann ging es schnell.

Das ist die Wahrheit, die im "KI ersetzt euch"-Lärm untergeht. Komplexe Probleme löst weder ein Mensch mit oberflächlichem Wissen allein, noch eine KI ohne menschliches Urteil allein. Sie löst ein Mensch, der genug Tiefe hat, um die KI zu führen. Und eine KI, die einen Menschen hat, der ihre blinden Flecken aufdeckt.

Genau dieses Führen ist das, was du in einem Studium übst. Komplexität aushalten. Hypothesen aufstellen, verwerfen, neu aufstellen. Geduld haben, wenn etwas in der zweiten Iteration noch nicht stimmt. Wissen, woran man erkennt, dass eine Antwort plausibel klingt, aber falsch ist.

Ohne diese Übung führst du keine KI. Du wirst von ihr geführt. Das ist ein Unterschied.

Was KI an deiner Fernuni erlaubt ist und was nicht

Die Antwort ist kürzer als du denkst und gleichzeitig unbefriedigender: Es hängt von deiner Hochschule ab. Manchmal sogar vom einzelnen Prüfer.

Die IU hat KI-Nutzung per Rektoratsbeschluss seit März 2023 ausdrücklich erlaubt.[3] Sie hat mit "Syntea" einen eigenen KI-Lernassistenten für über 80.000 Studierende entwickelt, der Ende 2025 den Gold Award bei den QS Reimagine Education Awards gewonnen hat.[4] Für IU-Studierende ist die Frage nicht ob, sondern wie.

An der FernUniversität Hagen liegt die Entscheidung bei jedem Lehrgebiet einzeln. Was bei einem Prüfer explizit erlaubt ist, kann bei einem anderen als Täuschungsversuch gewertet werden, innerhalb derselben Universität. Das ist kein Randproblem, sondern eine ausdrückliche Warnung aus dem offiziellen KI-Leitfaden der Hochschule selbst.[5]

Die Euro-FH arbeitet seit Herbst 2024 mit neuen Leitlinien und Kennzeichnungspflicht. 75 Prozent der Euro-FH-Studierenden nutzen KI aktiv, aber 71,5 Prozent nennen Plagiatsrisiko als ihre größte Sorge.[2] Die Freiheit ist real. Die Verantwortung auch.

AKAD geht am weitesten: KI-Kompass als ausgezeichnetes Trainingsprogramm, Europas erste KI-Professur als Digital Twin, KI-gestützte Übungsklausuren direkt in der Lernplattform.[1]

Was überall gilt, unabhängig von der Hochschule: KI-generierte Inhalte müssen transparent gemacht werden. Eigenleistung bleibt Pflicht. Deine Studienbriefe dürfen urheberrechtlich nicht in externe KI-Tools hochgeladen werden. Und seit dem Urteil des Verwaltungsgerichts Kassel im Februar 2025 ist nicht offengelegter KI-Einsatz in Prüfungsleistungen kein harmloses Versehen mehr.[6]

Mein Rat: Vor jeder Prüfungsleistung die Richtlinien deiner Hochschule prüfen und im Zweifel beim Lehrgebiet direkt nachfragen. Nicht raten.

Mein Fernstudium ist nicht tot. Aber es hat seine Unschuld verloren.

Das Fernstudium 2026 ist kein gemütlicher Ort mehr, um veraltetes Wissen anzuhäufen. Es ist ein Effizienz-Marathon geworden. Wer noch wie 2018 studiert, lernt die falschen Dinge in der falschen Tiefe.

Hier ist ein Einwand, dem ich mich nicht verschließe: Nicht jede Fernhochschule 2026 ist gleich viel wert. Wer an einer Hochschule studiert, die KI in Pressemitteilungen erwähnt und in den Prüfungsformaten das Jahr 2015 schreibt, zahlt für einen Abschluss, dessen Lernweg per KI immer einfacher zu umgehen ist. Das Hochschulforum Digitalisierung empfiehlt für 2025/2026 Prozess-Portfolios, mündliche Verteidigungen und KI-integrative Aufgaben als neuen Standard.[7] Schau dir an, wie deine Hochschule wirklich prüft, nicht wie sie darüber schreibt.

Und noch etwas: Wer 2026 einen Abschluss macht, startet als Junior. Typische Junior-Aufgaben wie Recherche, erste Textentwürfe, Datenpflege werden von KI übernommen.[7] Das ist kein Argument gegen das Studium. Aber es ist ein Argument dafür, dass das Studium genau das trainieren muss: KI-Outputs einordnen, validieren, einordnen. Als Kernkompetenz, nicht als Wahlfach.

Was bedeutet das für mich und für Fernuni Planer?

Ich will nicht mehr nur, dass du dein Studium "nett verwaltest". Ich will deine Komplizin sein, dieses System zu hacken.

Konkret heißt das: Claude oder ChatGPT für maßgeschneiderte Lernpläne. NotebookLM für Skript-Zusammenfassungen, die wirklich auf dein Material gehen. Diese Lernpläne, Termine und Fristen dann in deinen Fernuni Planer eintragen, damit du die Mindestzeit aus diesem Konstrukt herausholst und mit klarem Kopf herangehst statt mit Bauchschmerzen.

Der Planer wird damit kein Verwalter mehr, sondern der Ort, an dem aus KI-Output ein echter Wochenplan wird, mit deinem Schlaf, deinem Job, deinem Kind, deinem Pendelweg. Mit echten Klausurterminen, mit der Modulübersicht, mit Notenfeld und ECTS-Tracker. Genau dafür gibt es ihn: damit der schöne KI-Lernplan nicht im Tab versauert, sondern im Alltag landet.

Hol dir den Zettel, den der Arbeitsmarkt von dir verlangt. Aber verschwende keine Sekunde deiner Lebenszeit dabei.

Häufige Fragen zu Fernstudium und KI 2026

Darf ich KI in meinem Fernstudium nutzen?

Das hängt von deiner Hochschule ab und, bei der FernUniversität Hagen, sogar vom einzelnen Lehrgebiet. Die IU erlaubt KI-Nutzung ausdrücklich seit März 2023.[3] Bei der FernUni Hagen entscheidet jedes Lehrgebiet selbst: Was bei einem Prüfer erlaubt ist, kann bei einem anderen als Täuschungsversuch gelten, innerhalb derselben Hochschule.[5] Euro-FH und AKAD haben klare Richtlinien mit Kennzeichnungspflicht.[1][2] Grundsatz überall: Eigenleistung bleibt Pflicht, KI-Nutzung muss transparent gemacht werden. Vor jeder Prüfungsleistung direkt nachfragen, nicht raten.

Lohnt sich ein Fernstudium 2026 noch, wenn KI fast alles kann?

Ja, aber anders als 2018. Du studierst nicht mehr für den Wissensspeicher, den hat die KI. Du studierst für das Denken dahinter und für den formalen Abschluss, den Arbeitsmarkt und regulierte Berufe weiterhin fordern.

Kann ich mir das Studium nicht einfach über YouTube und KI selbst beibringen?

Theoretisch ja. Praktisch brechen die meisten nach wenigen Wochen ab, weil der externe Druck fehlt. Ein Studium verkauft nicht nur Inhalte. Es verkauft Struktur, Fristen und Skin in the Game. Fairerweise gilt: Die echte Konkurrenz sind heute staatlich zertifizierte Bootcamps und Microcredentials, nicht YouTube. In manchen Bereichen ist das tatsächlich der schnellere und ehrlichere Weg.

Welche KI-Tools sind für ein Fernstudium tatsächlich nützlich?

NotebookLM für Skript-Zusammenfassungen. Claude oder ChatGPT für Lernpläne, Verständnisfragen, Klausurfragen-Generator. Perplexity oder Connected Papers für die Literaturrecherche im Fernstudium. Wichtig: KI ergänzt deine Vorbereitung, sie ersetzt nicht das eigene Durchdenken.

Wie verhindere ich, dass die KI mir nur generischen Müll liefert?

Mit Kontext. Füttere sie über mehrere Sitzungen mit deinem Schreibstil, deinen Modulen, deinem Vorwissen, deinen Tabus. Korrigiere konsequent. Eine KI, die deine Hand kennt, liefert anders als eine KI, die heute zum ersten Mal von dir hört.

Und was bringt mir der Fernuni Planer dabei?

Den Brückenschlag zwischen KI-Output und Alltag. Wenn die KI dir einen Lernplan gebaut hat, muss er in echte Wochen, mit echten Klausurterminen, mit echten Schlafphasen. Genau dafür hat der Planer die Modul-Lernplan-Seiten, den ECTS-Tracker und die Wochenstruktur, in denen der KI-Vorschlag landet.

Was bleibt: Ein anderer Vertrag zwischen dir und deinem Studium

Wenn du nichts anderes aus diesem Beitrag mitnimmst, dann das: KI verändert nicht die Frage, ob sich dein Fernstudium lohnt. KI verändert, wofür es sich lohnt.

Du studierst nicht mehr, um Fakten zu speichern. Du studierst, um Komplexität führen zu können. Inklusive der KI, die du dafür brauchst.

Mein nächster Schritt für dich: Schau dir die Klausur-in-8-Wochen-Methode an, lass dir von einer KI einen ersten Lernplan-Entwurf bauen, und trag ihn dann in deinen Planer ein. So sieht der neue Vertrag zwischen dir und deinem Studium aus.

Fazit: Die KI baut den Plan, du das Fundament.

KI nimmt uns das stumpfe Auswendiglernen ab, aber sie nimmt uns nicht die Disziplin ab, dranzubleiben. Jetzt interessiert mich deine Perspektive: Glaubst du, dass Fernhochschulen schnell genug umdenken? Oder ist das System Studium träger als die Technologie?

Lass es mich unten in den Kommentaren wissen!

 

Weiterlesen:

Quellen

  1. AKAD University: KI-gestütztes Lernen. Längsschnittstudie der AKAD: KI-Nutzung 2023 bei 63,2 Prozent, 2024 bei 91,6 Prozent. KI-Kompass (Studienpreis 2025), KI-Professur als Digital Twin.
  2. Euro-FH: KI-Trendstudie 2025 (PDF). 565 Studierende, Erhebung August 2024. Nutzung 2023: 24 Prozent, 2024: 75 Prozent. Kennzeichnungspflicht seit Herbst 2024. Plagiatsrisiko als größte Sorge: 71,5 Prozent.
  3. IU: Erlaubnis für KI-Chatbots, Rektoratsbeschluss 16.03.2023. KI-Nutzung im akademischen Kontext ausdrücklich erlaubt.
  4. IU: Syntea KI-Lernassistent. Verfügbar für über 80.000 Studierende, Gold Award QS Reimagine Education Awards Dezember 2025.
  5. FernUniversität Hagen: KI-Leitfaden (PDF). Keine einheitliche Regelung an der Gesamtuniversität, Entscheidung je Lehrgebiet, nicht abgesprochener KI-Einsatz kann als Täuschungsversuch gelten. Ergänzend: Infoseite KI im Studium.
  6. Verwaltungsgericht Kassel, Februar 2025 (via h_da). Nicht offengelegter KI-Einsatz in Prüfungsleistungen kann formal als Täuschungsversuch gewertet werden.
  7. HFD Arbeitspapier Nr. 87: Wie KI Studium und Lehre verändert (April 2025). Empfehlung neuer Prüfungsformate: Prozess-Portfolios, mündliche Online-Verteidigungen, KI-integrative Aufgaben. Analyse zur Veränderung von Einstiegsjobs durch KI. Ergänzend: HFD Diskussionspapier Nr. 38: Abschlussarbeiten im KI-Zeitalter (Oktober 2025).
Zurück zum Blog

2 Kommentare

Hey Janine,
vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar, der hat mich echt gefreut.
Du sprichst da einen Punkt an, der mich auch ständig beschäftigt: dieser Shift von “macht KI meinen Job?” hin zu “wie verändert KI meinen Job?”. Ich glaube, das ist die ehrlichere Frage, weil sie uns aus der Schockstarre rausholt. Wer wartet, bis irgendwer entscheidet, ob der eigene Beruf ersetzt wird, hat schon verloren. Wer anfängt zu schauen, welche Teile der eigenen Arbeit man neu denken kann, gewinnt Zeit und Souveränität.
Den Aspekt mit dem Wert von Arbeit finde ich besonders spannend. Ich merke das selbst: Wenn ich was in 20 Minuten mit KI hinbekomme, wofür ich früher 3 Stunden gebraucht hätte, ist die Versuchung groß, die 20 Minuten “billiger” zu bepreisen. Dabei steckt in den 20 Minuten ja das ganze Wissen, wie man die KI überhaupt sinnvoll bedient, also Kontext, Promptqualität, Bewertung des Outputs, Anpassung. Das ist die eigentliche Leistung. Ich hoffe, dass sich das in den kommenden Jahren in den Köpfen verschiebt, weil sonst entwertet sich gute Arbeit selbst.
Und ja, beim Fernstudium sehe ich genau das: Die Hochschulen, die jetzt Methodenkompetenz und kritisches Denken priorisieren statt reines Reproduzieren, machen ihre Absolvent:innen krisenfest. Da bin ich gespannt, welche Unis da zuerst nachziehen.
Danke fürs Mitdenken, solche Kommentare sind der Grund, warum ich überhaupt schreibe.

Tamara von Fernuni Planer

Damit hast du wirklich den Nagel auf den Punkt getroffen. Nicht nur was das Fernstudium betrifft, sondern man fragt sich bei dem KI-Thema ja wirklich immer häufiger: Welcher Beruf ist denn noch Zukunftsfähig? Was wird denn von “KI” ersetzt. Ich denk es geht auch nicht darum, OB man mit KI arbeitet, sondern WIE und es wird sich ändern. Ich stimm dir absolut zu: Kontext, damit arbeiten, das muss weiterhin Mensch machen, denn KI ist nur so schlau wie der Anwender es sich zu nutzen macht. Was Angst macht, ist halt nur wie schnell sich alles entwickelt. Wer nicht spätestens jetzt aufspringt und lernt damit umzugehen, der wird abgehängt werden. Das bedeutet ja auch, dass sich der WERT für Arbeit ändert. Es geht ja eh schon immer um Effizienz und was ist Zeit heutzutage eigentlich noch finanziell Wert? Je mehr die KI übernimmt, umso weniger wird auch Wertgeschätzt was Mensch leistet – statt zu sehen wie lange es dauert, denn überhaupt die Modelle darauf zu trainieren so zu handeln wie man es individuell auch braucht? Es wird also immer mehr ein Wettkampf, wer findet die besseren Workflows, die besseren Prozesse. Und um aufs Fernstudium zurück zu kommen: Auch da müssen die Studiengänge sich darauf anpassen, an die neuen Methodiken, welche so wahnsinnig schnell sich entwickeln, dass man kaum mehr hinterher kommt – doch dann ist das der perfekte Ort um darauf vorbereitet zu werden um in diesem Tempo mitzukommen. Danke für deinen Input! Es ist mutig, aber es sind genau die Gedanken die wir teilen und darüber diskutieren müssen – daher bitte weiter so.

Janine

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.